STANDORT HAMMERUNTERWIESENTHAL

STANDORTLAGERSTÄTTEBERGWERKCHRONIK

Die Lagerstätte Hammerunterwiesenthal ist der lithostratigrafischen Einordnung nach ca. 525 Millionen Jahre alt. Die Gesteine der Obermittweida-Formation (Zweiglimmerschiefer- und Gneise, Amphibolite/Eklogite, Metagrauwacken) und der Raschau-Formation (Granatglimmerschiefer) innerhalb der Keilberg-Gruppe bilden den Rahmen für bislang sechs bekannte Marmorlager. Dies sind von West nach Ost: Schlösselweg-Lager, Böhmes Lager, Schreiters Lager, Schmiedels Lager, Päßlers Lager, Bachberg-Lager.

Im Unterkambrium wurde der Karbonatkomplex als marin-sedimentäre Bildung mit geringmächtigen subvulkanischen Einschaltungen angelegt. Im Verlauf der Saxothuringischen Tektogenese überprägte eine almandin-amphibolitfazielle Hochdruck-Mitteltemperatur-Metamorphose den ursprünglich als Calciumkarbonat abgelagerten und syn- bis postsedimentär dolomitisierten Rohstoffkörper. Im Laufe der variszischen Orogenese vor ca. 400 bis 320 Millionen Jahren kam es zudem zur Calcium-Metasomatose und zur Bildung von Magnesium-Calcit-Marmor. Außerdem wurde die Lagerstätte intensiv aufgefaltet.

Stark vereinfachter geologischer Schnitt durch die Lagerstätte Hammerunterwiesenthal

Stark vereinfachter geologischer Schnitt durch die Lagerstätte Hammerunterwiesenthal

Die überwiegend isoklinale Faltung ist durch NW-SE streichende und flach nach SE oder NW abtauchende Faltenachsen gekennzeichnet. Durch variszisch und im Tertiär alpidisch beeinflusste Bruchtektonik wurde die Faltung überwiegend senkrecht und parallel zur Faltenachse gestört und entlang der damit geschaffenen Wegsamkeiten oberflächennah verkarstet.

Im Oligozän, vor ca. 30 Millionen Jahren, bildete sich als bislang letztes großes geologisches Ereignis ein Maar mit einem Durchmesser von 2000 m in E-W- und 1400 m in N-S-Richtung. Das vulkanische Gebilde reicht bis in den zentralen Teil von Böhmes Lager. Der Beginn der Maar-Entstehung wird durch Ablagerungen von 30,5 Millionen Jahre alten Tuffen und Tuffiten charakterisiert; den Abschluss markiert die Platznahme des Hammerunterwiesenthaler Phonoliths vor 28,4 Millionen Jahren.

ROHSTOFFKENNWERTE

Rohdichte: 2,72 g/cm3

Wasseraufnahme:
0,38 Masse-% bei 25-fachem Frost-Tau-Wechsel

Frostbeständigkeit: 0,13 % Masseverlust

Druckfestigkeit: 95,0 N/mm2

Biegezugfestigkeit: 11,0 N/mm2

Abriebfestigkeit: 17 cm3/50 cm2

pH-Wert in wässriger Suspension: 8,0

Entgegen bisheriger Vorstellungen sind die Marmorlager nicht derselben stratigrafischen Position zuzuordnen. Während Schlösselweg-, Böhmes, Schmiedels und Schreiters Lager überwiegend aus Magnesium-Calcit oder einem Wechsel aus Calcit und Dolomit aufgebaut sind, besteht der Marmor von Päßlers und Bachberg-Lager hauptsächlich aus reinem Calcit. Es ist unter Beachtung der Lagerungsverhältnisse anzunehmen, dass sie ein höheres Alter als die anderen drei Lager besitzen.

Dreidimensional aufgeschlossene liegende Falte im Bruch von Päßlers Lager. Ein bedeutender Aufschluss für die Geschichte der geologischen Erforschung Sachsens.

Dreidimensional aufgeschlossene liegende Falte im Bruch von Päßlers Lager. Ein bedeutender Aufschluss für die Geschichte der geologischen Erforschung Sachsens.